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Geschichte
Ende des 6. Jhs. setzte von Osten her die slawische Besiedelung ein, was auch
im Ortsnamen zum Ausdruck kommt, denn das slawische Wort "ljüb" bedeutet lieblich, teuer, lieb
und bezieht sich auf den Charakter des Unteren Kainach- sowie des Liebochtales. Wir wissen heute natürlich nicht mehr,
wie dieses kleine Haufendorf ausgesehen hat, das zum karantanisch-slawischen
Herzogtum mit dem Zentrum am Zollfeld in Kärnten gehörte.
Um die Mitte des 8. Jhs. gerieten die
Karantanerslawen mit den Bayern in Berührung und bald danach in deren Abhängigkeit. Die Besiedelung begann von Salzburg aus mit bayrischen Bauern,
die sich vorerst neben der slawischen Vorbevölkerung niederließen. Bald jedoch gründeten sie
eigene Siedlungen wie z. B. Schadendorf (heute Ortsteil von Lieboch), das
bereits 1265 als "Seydeynsdorf" urkundlich erwähnt wurde. Mit den bayrischen Bauern kamen aber auch christliche Missionare ins
Land, die in der Kunst des Schreibens bewandert waren. Ungefähr ab dem 12. Jh. gibt es schriftliche
Aufzeichnungen und Urkunden über unsere engere Heimat.
In der Urkunde des Erzbischofs Konrad I. von Salzburg vom 22. 2. 1138 finden wir
als Zeugen einen Ministralen "Ruedperth de Liboche". Daraus ist auf das Vorhandensein eines
Edelbesitzes zu schließen, wenngleich nicht unbedingt auf ein Dorf. Dieses wurde in der Urkunde vom 25. 2. 1157
erwähnt, in der Erzbischof Eberhard von Salzburg den Erhalt der vorgeschriebenen Zehente des Stiftes Rein
bestätigt, darunter auch den der Hube von Lieboch (mansu apud Liboche).
Dieses Altdorf dürfte aus ungefähr zehn bis
zwölf Häusern bestanden haben und war dem Stift Rein steuerpflichtig. Gegen Mitte des 13.
Jhs. starben die
Liebocher Ministralen (ein niedriger Adelsstand) aus, und ihr Edelhof, den wir an der Stelle des späteren
Spatenhofes (heute ebenfalls ein Liebocher Ortsteil) vermuten dürfen, ist in bäuerliche Hände gekommen.
Im Mittelalter gab es zwei verschiedene Lieboch. Das eine war "Lywoch in
sand Bartholomens pfarr" und das andere "Nyder Lywoch", aus dem das heutige entstanden ist. Das
andere Lywoch ist die heute die Gemeinde St. Bartholomä, ca. 12 km entfernt.
Aus verschiedenen Urkunden (hauptsächlich Bestätigungen über geleistete
Steuer-, Robot- oder Zehentzahlungen) zwischen dem 13. und 18. Jh. wissen wir, dass sich Lieboch ständig vergrößert
hat und neben den Bauern auch die wichtigsten Handwerks- und Gewerbebetriebe vorhanden waren, wie z. B.
Schmiede, Schneiderei, Schuster, Gastwirtschaft oder Mühlen, von deren Vorhandensein heute noch der
Ortsteilname Mühlau zeugt.
Die Entfaltung des Ortes begann aber erst mit der Eröffnung der Graz-Köflacher
Eisenbahn am 3. 4. 1860 bzw. mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Lieboch - Wies am 9. 4. 1873. Vor
knapp 100 Jahren war zwischen der heutigen Pfarrkirche und dem Bahnhof (ca. 1000 m) lediglich ein
einziges Haus. Doch viele Eisenbahner siedelten sich berufsbedingt in Lieboch an, und 1904 zählte
Lieboch bereits 733 Einwohner, 1951 waren es bereits 1642 Bewohner und seither hat sich die Bevölkerungszahl
mehr als verdoppelt, was auf folgende Ursachen zurückzuführen ist:
1. Räumliche Nähe zu
Graz und gute Verkehrsbedingungen
2. Vorhandensein von
Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten
3. Ansiedelung von
Gewerbe- und Industriebetrieben.
Nach den 2. Weltkrieg hat sich Lieboch, weg von einem Ort mit überwiegend
ländlicher Bevölkerung, hin zu einem Industrieort entwickelt, der über eine ausgezeichnete
Wohnqualität verfügt. Doch hiefür musste von der Gemeinde die notwendige Infrastruktur geschaffen werden. Heute sind
über 95% der Haushalte an das Wasserleitungs- und Kanalnetz angeschlossen und
wurden ca. 90% der Gemeindestraßen staubfrei gemacht.
Diese Bemühung honorierte die Steiermärkische Landesregierung, und mit 19. 2.
1979 wurde Lieboch zur Marktgemeinde erhoben. Als eine ihrer wichtigsten Aufgaben bezeichnet die
Gemeindeverwaltung, dass Lieboch, trotz enormen Zuzuges und der überdurchschnittlichen Bautätigkeit
seinen Orts- und Dorfcharakter beibehält.
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