MARKTGEMEINDE LIEBOCH - EIN ORT STELLT SICH VOR

Von Liboche über Liwoch zu Lieboch

POSTLEITZAHL: 8501 HAUSHALTE: ca. 1950  
VORWAHL: +43 / 03136 KATASTRALGEMEINDE: LIEBOCH  
EINWOHNER: ca. 4400 HÄUSER: 1500  
POLITISCHER BEZIRK: Graz-Umgebung SEEHÖHE: 333 m  
BEZIRKSHAUPTMANNSCHAFT: 8021 Graz-Umgebung FLÄCHE: 11,76 km²  
   

DIE SIEDLUNG SCHADENDORF IST EINE BAYRISCH-DEUTSCHE GRÜNDUNG, VERMUTLICH IN DER ERSTEN HÄLFTE DES 12. JAHRHUNDERTS ANGELEGT.LIEBOCH WURDE ERSTMALS AM 22. 2. 1138  IN EINER URKUNDE DES ERZBISCHOFES KONRAD I. VON SALZBURG GENANNT! POSTKARTE VON LIEBOCH - ANSICHT VOR CA. 80 JAHREN
HAUS LIEBOCH, PACKERSTRASSE 112, EHEMALS NATURALVERPFLGESTATION UND AUCH POST BIS 1930 (FOTO DR. LAMBAUER)ANSICHT VON LIEBOCH UM 1860 (ORIGINAL DR. FRANZ LAMBAUER)UNSERE ALTE SEIT 1785/86 BESTEHENDE KIRCHE, WELCHE 1966/67  DURCH EINEN NEUBAU ERSETZT WURDE.


Geschichte

Ende des 6. Jhs. setzte von Osten her die slawische Besiedelung ein, was auch im Ortsnamen zum Ausdruck kommt, denn das slawische Wort "ljüb" bedeutet lieblich, teuer, lieb und bezieht sich auf den Charakter des Unteren Kainach- sowie des Liebochtales. Wir wissen heute natürlich nicht mehr, wie dieses kleine Haufendorf ausgesehen hat, das zum karantanisch-slawischen Herzogtum mit dem Zentrum am Zollfeld in Kärnten gehörte.

Um die Mitte des 8. Jhs. gerieten die Karantanerslawen mit den Bayern in Berührung und bald danach in deren Abhängigkeit. Die Besiedelung begann von Salzburg aus mit bayrischen Bauern, die sich vorerst neben der slawischen Vorbevölkerung niederließen. Bald jedoch gründeten sie eigene Siedlungen wie z. B. Schadendorf (heute Ortsteil von Lieboch), das bereits 1265 als "Seydeynsdorf" urkundlich erwähnt wurde. Mit den bayrischen Bauern kamen aber auch christliche Missionare ins Land, die in der Kunst des Schreibens bewandert waren. Ungefähr ab dem 12. Jh. gibt es schriftliche Aufzeichnungen und Urkunden über unsere engere Heimat.

In der Urkunde des Erzbischofs Konrad I. von Salzburg vom 22. 2. 1138 finden wir als Zeugen einen Ministralen "Ruedperth de Liboche". Daraus ist auf das Vorhandensein eines Edelbesitzes zu schließen, wenngleich nicht unbedingt auf ein Dorf. Dieses wurde in der Urkunde vom 25. 2. 1157 erwähnt, in der Erzbischof Eberhard von Salzburg den Erhalt der vorgeschriebenen Zehente des Stiftes Rein bestätigt, darunter auch den der Hube von Lieboch (mansu apud Liboche).

Dieses Altdorf dürfte aus ungefähr zehn bis zwölf Häusern bestanden haben und war dem Stift Rein steuerpflichtig. Gegen Mitte des 13. Jhs. starben die Liebocher Ministralen (ein niedriger Adelsstand) aus, und ihr Edelhof, den wir an der Stelle des späteren Spatenhofes (heute ebenfalls ein Liebocher Ortsteil) vermuten dürfen, ist in bäuerliche Hände gekommen.

Im Mittelalter gab es zwei verschiedene Lieboch. Das eine war "Lywoch in sand Bartholomens pfarr" und das andere "Nyder Lywoch", aus dem das heutige entstanden ist. Das andere Lywoch ist die heute die Gemeinde St. Bartholomä, ca. 12 km entfernt.
Aus verschiedenen Urkunden (hauptsächlich Bestätigungen über geleistete Steuer-, Robot- oder Zehentzahlungen) zwischen dem 13. und 18. Jh. wissen wir, dass sich Lieboch ständig vergrößert hat und neben den Bauern auch die wichtigsten Handwerks- und Gewerbebetriebe vorhanden waren, wie z. B. Schmiede, Schneiderei, Schuster, Gastwirtschaft oder Mühlen, von deren Vorhandensein heute noch der Ortsteilname Mühlau zeugt.

Die Entfaltung des Ortes begann aber erst mit der Eröffnung der Graz-Köflacher Eisenbahn am 3. 4. 1860 bzw. mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Lieboch - Wies am 9. 4. 1873. Vor knapp 100 Jahren war zwischen der heutigen Pfarrkirche und dem Bahnhof (ca. 1000 m) lediglich ein einziges Haus. Doch viele Eisenbahner siedelten sich berufsbedingt in Lieboch an, und 1904 zählte Lieboch bereits 733 Einwohner, 1951 waren es bereits 1642 Bewohner und seither hat sich die Bevölkerungszahl mehr als verdoppelt, was auf folgende Ursachen zurückzuführen ist:

        1.   Räumliche Nähe zu Graz und gute Verkehrsbedingungen
        2.   Vorhandensein von Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten
        3.   Ansiedelung von Gewerbe- und Industriebetrieben.

Nach den 2. Weltkrieg hat sich Lieboch, weg von einem Ort mit überwiegend ländlicher Bevölkerung, hin zu einem Industrieort entwickelt, der über eine ausgezeichnete Wohnqualität verfügt. Doch hiefür musste von der Gemeinde die notwendige Infrastruktur geschaffen werden. Heute sind über 95% der Haushalte an das Wasserleitungs- und Kanalnetz angeschlossen und wurden ca. 90% der Gemeindestraßen staubfrei gemacht.

Diese Bemühung honorierte die Steiermärkische Landesregierung, und mit 19. 2. 1979 wurde Lieboch zur Marktgemeinde erhoben. Als eine ihrer wichtigsten Aufgaben bezeichnet die Gemeindeverwaltung, dass Lieboch, trotz enormen Zuzuges und der überdurchschnittlichen Bautätigkeit seinen Orts- und Dorfcharakter beibehält. 


© GR Wolfgang Scherz

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